Vielfältiges Brauchtum mit einigen Besonderheiten

brauchtum1Das Jahr begleiten auch in Beratzhausen viele Bräuche, die es zum Teil in dieser Form in anderen Orten nicht gibt.

Die Blaskapelle St. Martin bläst das neue Jahr an. Die Musikanten ziehen vor die Häuser vor allem von Geschäftsleuten, Geistlichen und Markträten und überbringen auf musikalische Art ihre Neujahrswünsche. Mit einem Obolus – mitunter auch in Form eines Stamperl Schnaps oder gar einer Brotzeit – bedanken sich die mit dem Ständchen bedachten Bürger.

In der Seelsorgeeinheit Beratzhausen-Pfraundorf ziehen natürlich auch die Sternsinger (dargestellt von den Ministranten) durch die Orte und Dörfer, bringen per Lied und Text den Segen Christi in die Häuser und sammeln für Kinder in der Mission.

Die närrische, fünfte Jahreszeit prägte von 1912 bis 1974 federführend die Narragonia, die Prinzenpaare, Elferrat und Prinzengarde stellte sowie den Masken- bzw. Faschingszug begründete und viele Jahre organisierte. Diese Tradition ist seit 1975 – nach einem tödlichen Unfall nach dem Umzug – jäh beendet. Seit 1977 stellt die Kolpingfamilie den närrischen Hofstaat, die Prinzengarde – inzwischen eine starke Kolping-Gruppe – hat die Aktivitäten mit einer Kindergarde und Jugendshowtanzgruppe, der Prunksitzung und dem eigenen Gaudiball erweitert. Doch mit dem Kehraus ist in Beratzhausen der Fasching nicht zu Ende: seit 1841 gibt es hier am Aschermittwoch das Geldbeuteleingraben.

In der Karwoche  gehen die Ministranten zum Eierbetteln. Und von Gründonnerstagabend bis Karsamstagabend verstummen die Glocken, an deren Stellen die Karfreitagsratschen treten, die der Schreiner Josef Meier herstellt.

brauchtum2Ein sehr alter Brauch, bereits in einer Gemeinderechnung von 1687/88 nachgewiesen, ist das Maibaumaufstellen am Vorabend des 1. Mai. Heute sorgt der Trachtenverein in Zusammenarbeit mit der Blaskapelle Beratzhausen dafür, und natürlich gehört der Tanz in den Mai mit bodenständiger bayerischer Musik ebenso dazu. Ein kleiner Maibaum wird zudem im Senioren- und Pflegeheim St. Hedwig aufgestellt.

In mehreren Orten des Marktes wird das Sonnwend- bzw. Johanni-Feuer (um den 24. Juni) abgebrannt, ebenso gibt es zu unterschiedlichen Terminen das Aufstellen von Kirta-Bäumen – vor allem organisiert von Kirtaburschen und -mädeln.

Im Herbst ist das Erntedank- und Kirchweihfest (Allerweltskirchweih). Ein nur noch in wenigen anderen Orten ausgeübter Brauch ist an Allerseelen (2. November) das Spitzeln. Seit wann es diesen Brauch hier gibt, ist nicht mehr feststellbar. Bei dem Brauch geht es darum, dass Kinder nach dem Aufsagen eines kurzen Verses, in dem sie im Namen Christi um ein „Spitzl“ bitten, von dem Geschäfts- bzw. Ladeninhaber oder -personal eine Kleinigkeit geschenkt bekommen – ursprünglich ein Spitzl, das vielerorts früher nur an diesem Tag gebackene Hefegebäck.

Während die Tradition der Jahrmärkte zu bestimmten fixierten Terminen (z. B. Sebastiani, Mittfasten, Peter und Paul, Allerweltskirchweih, Advent) drastisch zurückgegangen ist, wurde der traditionelle Advents- und Weihnachtsmarkt erstmals im Jahr 2010 durch einen Romantischen Weihnachtsmarkt rund um den Zehentstadel und am Schlosshof ergänzt, der künftig konzeptionell noch weiterentwickelt wird.