Ein Buch, das berührt und nachdenklich macht
Es gibt Momente im Bürgermeisteramt, die einen besonders berühren. Die Übergabe eines Buches durch Franz Huber war für mich so ein Moment.
Über viele Jahre hinweg hat Franz Huber die Schicksale der gefallenen Soldaten aus Beratzhausen gesammelt und festgehalten. Namen, persönliche Daten, Sterbebilder, Todesorte, Bestattungsorte und sogar Bilder der jeweiligen Soldatenfriedhöfe hat er in mühevoller Kleinarbeit zusammengetragen.
Entstanden ist ein Buch mit mehreren hundert Seiten. Und das Besondere: Es gibt davon nur drei Exemplare. Franz hat diese selbst ausgedruckt und anschließend binden lassen. Eines davon hat er mir übergeben. Eine Ehre, die mich unglaublich berührt und die ich noch immer nicht so richtig einordnen kann.
Wenn man durch dieses Buch blättert, schaudert es einen. So viele junge Männer, gerade einmal 19, 20 oder 21 Jahre alt. Junge Menschen, die noch ihr ganzes Leben vor sich hatten und im Krieg ihr Leben lassen mussten. Hinter jedem Namen steht ein Mensch, eine Familie und eine Geschichte. Das erdet gewaltig und lässt vieles, worüber wir uns heute Gedanken oder Sorgen machen, plötzlich klein erscheinen.
Bei der Übergabe haben Franz Huber und Hermann Lassleben auch von der damaligen Zeit erzählt. Wenn der Ortsgruppenleiter durch die Straßen ging, schauten die Menschen aus den Fenstern. Jeder wusste, dass er möglicherweise eine Todesnachricht überbringen würde. Und jeder fragte sich voller Angst: An welche Haustür wird er gehen? Welche Familie bekommt heute das Kuvert mit der Nachricht, dass ihr Sohn, Ehemann oder Vater nicht mehr nach Hause kommen wird?
Allein diese Vorstellung macht einen sprachlos.
Mein aufrichtiger Dank gilt Franz Huber für diese jahrzehntelange Arbeit und für das Vertrauen, mir eines dieser drei Exemplare zu überlassen. Er hat damit nicht einfach nur Daten und Bilder gesammelt, sondern die Erinnerung an viele Menschen aus unserer Heimat bewahrt, deren Schicksale sonst vielleicht irgendwann in Vergessenheit geraten wären.
Ein Buch, das einen nicht so schnell wieder loslässt.
Matthias Beer
1. Bürgermeister